So jetzt sitze ich in meinem Bett in unserer Wohnung, unserer heißt, in der von Fabian und mir. Unter einem Moskitonetz, angekommen in Ghana. Ich hab Zeit. In Ghana hat man viel Zeit, in jeglicher Hinsicht.

In Hamburg ging es los. Mit Emirates nach Dubai. Im Flugzeug gab es für jeden einen kleinen interaktiven Touchdisplay. Ganz viele Filme, ganz viele Spiele, ganz viel Musik, Außenbordkameras zum gucken und und und. Man konnte eigentlich alles machen und der Flug konnte kaum lang genug sein. Nicht so die Wartestunden in Dubai. Das war einfach Scheiße. 7 Stunden. Dubai schläft nicht und der Flughafen schon gar nicht. Immer überall Menschen, aus allen Teilen der Welt, die einsteigen, aussteigen, umsteigen oder shoppen. Aber eigentlich brauch man nicht viel über Dubai zu sagen. Es ist groß aber nicht so groß wie man denkt, es gibt viele Läden, die aber eigentlich alle die selben Sachen verkaufen, es ist wahrscheinlich der multikulturellste Ort der Welt und man sieht einfach nichts von dem was außerhalb des Flughafens ist.

Um 7 Uhr ging es komplett fertig ins Flugzeug. Ich bin schon eingeschlafen bevor die netten arabischen Frauen einen in die Sicherheitsvorschriften eingewiesen hatten und war wieder wach als wir gerade zur Startbahn rollten, und ich meine Nachbarn fragte wie lange wir schon fliegen, war aber schnell wieder im Land der Träume.

Accra ist Flughafentechnisch genau das Gegenteil zu Dubai. Kleiner, improvisierter und staubiger. Aber genau die gleiche Hitzewelle die einem beim Aussteigen entgegenschwappt. Alle waren da und Alles war mitgekommen. Tuti palleti. Als wir aus dem Flughafen raus kommen warten gleich 10 sehr nette Ghanaer auf uns, die uns mit Handschlag herzlich willkommen heißen und uns gerne das Gepäck zum Auto tragen. Wir waren alle sehr positiv überrascht, weil wir noch nicht mal damit gerechnet hatten, dass überhaupt schon jemand auf uns wartet. Doch wie sich schnell heraus stellte, war nur der eine ganz vorne für uns da,während die anderen alle einfach ein bisschen Geld verdienen wollten. Na ja. Immerhin. Am Auto angekommen wird schnell das Gepäck eingeladen und dann fängt das warten an. Das Auto ist kaputt und wir müssen auf Pascal warten, der bald kommt. Bald :). Nach zwei stunden ist er dann auch schon da, um sich noch ne weile mit dem Fahren über die Möglichkeiten zu unterhalten. Es geht schließlich los. Alle sind geschafft wie froh und suchen sich ihren Platz im Auto. Es wird sich gerade gemütlich gemacht, als bei der nächsten Tanke gehalten wird um den Rat der Experten einzuholen. Nach einer weiteren Stunde geht es dann wirklich los. Mit kaputtem Kühlwassertank. Was bedeutet, dass ab und zu mal mitten auf der Straße gehalten wird um das Wasser nachzufüllen. Unser Fahrer ist eher einer der schnellen Sorte und ihn scheinen die Schilder am Rand der Straße wie :“ Overspeeding kills, 23 People died here!“ wenig zu beeindrucken. Trotzdem dauert es ziemlich lange. Ich weiß nicht genau wie Spät es war, weil jeder seine Uhr anders umgestellt hatte, aber ca. 8 Stunden nach unserer Landung waren wir dann bei unserem Haus angekommen. Wir wohnen direkt unter unserem Mentor Pascal und einer Frau Emma. Sie haben drei Kinder, alle jünger als wir, wobei ich ganz schlecht einschätzen kann wie viel.

Die Wohnung ist groß. Drei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Bad, eine Küche und ein Flur. Alles ungefähr vergleichbar mit einer billigen absteige in Portugal. Aber was solls, wir sind in Afrika, und um ehrlich zu sein hab ich mich schon dran gewöhnt. Außerdem hat jedes Zimmer einen Ventilator an der Decke.Wir wohnen im Erdgeschoss, alle Fenster sind vergittert und haben Moskitonetze vor, die Außentüren werden mit einem Großen Balken von innen verriegelt. Wenn man nichts vergisst ist es auf jeden Fall sicher. Aber soweit man die Menschen hier schon einschätzen kann, brauch man sich eh wenig sorgen machen. Gestern hab ich meine Schulleiterin, Madame Sarah, kennen gelernt. Sie ist mit Emma befreundet und hat uns zum Strand gefahren. Obwohl beide nicht gerade begeistert von der Idee waren und ca.50 mal betont haben, dass die Jungs am Strand böse sind und uns ausrauben wenn wir nicht aufpassen. Entweder wir haben Glück gehabt, oder die haben komplett übertrieben. Am Strand haben wir die ersten Menschen getroffen, die einfach mit uns reden wollten, ohne etwas zu verlangen. Das STAR Bier hat echt gut geschmeckt, und die Bar gehört einem Deutschtürken, Ali, von dem wir jetzt auch die Nummer haben. Die hat uns Isaac gegeben. Ein Trommler und Trommellehrer, der auch schon 4 Jahre in Harburg gelebt hat. Ali ist, bzw. war wahrscheinlich der einzige Surfer in ganz Cape Coast.

Vom Bild der Stadt her ist es genau so wie ich mir Afrikanische Straßen vorgestellt hätte. Viele kleine Hütten, überall Ziegen, Scharfe und Hunde, die fast alle gut und gesund aussehen, fast nur „kaputte“ Autos und durchgehend auf jeder Straße wird alle 2 Meter was zu Essen verkauft, es ist matschich und man hat überall rote Erde. Das Klima ist halb so schlimm wie angekündigt. Als wir das erste Mal zum Markt gegangen sind, hat es zwar wirklich krass angefangen zu regnen, aber danach riss der Himmel auf und es wurde angenehm warm und längst nicht so schwül wie in Hamburg nach Sommerregen.

Ich könnte stundenlang weiter schreiben. Letztendlich fühle ich mich wohl, die Menschen sind wirklich sehr nett und gastfreundlich. Die kleinen Kinder rufen uns alle Bruni, also Weißer, Bibini wäre das Wort für Schwarzer. Ghana ist Afrika, der Lebensstandart ist einfach nicht mit dem in Europa zu vergleichen, was aber nichts mit der Lebensfreude oder dem Wohlbefinden zu tun hat. Ich wette, dass die Menschen hier größtenteils gesünder sind und trotz allem mehr Freude am Leben haben.

Bis bald

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